Aufregerthema Mehrwertsteuer 2025-2026
Der Bundestag hat es durchgewunken und wenn auch der Bundesrat noch grünes Licht gibt sinkt die Mehrwertsteuer für zubereitete Speisen zum 01. Januar 2026 von 19 auf 7 Prozent.
Da wir immer versuchen offen zu kommunizieren und dieses Thema ein Aufreger ist möchten wir Euch ein paar Worte dazu erklären.
WAS IST BISHER PASSIERT
Als schnelle und relativ unbürokratische Hilfe wurde im Zuge der Corona Pandemie entschieden, alle zubereiteten Speisen mit 7 % zu versteuern. Das hatte zur Folge, dass wir einen Teil der fehlenden Umsätze (zur Erinnerung: unsere Branche wurde insgesamt 9 Monate pauschal zwangsgeschlossen) kompensieren konnten, als wieder Essen im Haus verzehrt werden durfte.
Diese Senkung war nie als Entlastung für die Gäste, sondern als Soforthilfe für eine ganze Branche mit fast über 2 Millionen Beschäftigten gedacht und sie hat gewirkt.
Die Corona Pandemie ist zum Glück ausgestanden, aber direkt darauf musste sich unsere schönste Branche der Welt, die im Ganzen betrachtet aktuell immer noch nicht zu alten Belegungszahlen gefunden hat, neu behaupten: die Inflation.
Wenn man unsere Hauptartikel betrachtet (Personal, Lebensmittel, Energie), so kommt man zu wesentlich höheren Inflationswerten.
Diese Preisspirale hat bei uns weit andere Dimensionen als in anderen Branchen.
Beispiel: Unser größter Kostenblock in der Branche mit durchschnittlich 40 Prozent sind die Personalkosten. Unser flexibles, belastbares Fachpersonal wird aktiv und massiv von anderen Branchen abgeworben und um die oft unbeliebten Arbeitszeiten zu kompensieren und um uns als Arbeitgeber gegen Industrie, Handel und andere Dienstleister durchzusetzen müssen wir hervorragende Arbeitsbedingungen und Bezahlung schaffen, sonst können wir unsere Mitarbeiter nicht halten und Neue nicht finden.
Was gute Lebensmittel im Moment im Einkauf kosten muss ich niemandem erklären, der ab und zu im Supermarkt unterwegs ist. Und auch die Energiekosten kennen alle aus der eigenen Erfahrung.
WIE IST DIE LAGE IM MOMENT?
Die Gastronomie ist inzwischen an einer Gratwanderung angekommen. Trotz Preissteigerungen in den vergangenen Jahren ist der Kostendruck immens.
Es stellt sich ständig die Frage: schrauben wir am kalkulierten Gewinn damit die Gästezahl nicht sinkt? Oder kalkulieren wir angemessen und nehmen in Kauf dass wir preissensible Gäste verlieren?
Seit Monaten und Jahren drehen wir an eben dieser Schraube und können unsere Margen nicht mehr halten. Die Folge: Investitionen werden aufgeschoben, Betriebsinhaber geben sich mit Löhnen zufrieden die der hohen Arbeitsbelastung und der Verantwortung für Arbeitsplätze nicht gerecht werden.
WAS WIRD DIE SENKUNG ALSO BEWIRKEN?
Die Mehrwertsteuer ist ein durchlaufender Posten. Wir kalkulieren unsere Preise aufgrund der Kosten und des kalkulierten Gewinnes. Auf diesen Nettowert wird die Steuer aufgeschlagen.
Das heißt im Klartext: Wenn die Senkung kommt werden uns die gewonnenen Prozente etwas Luft zum Atmen geben. Wir werden unsere Arbeitsbedingungen stabilisieren können, neue Investitionen werden planbar und wir stellen sicher dass wir uns beim Einkauf qualitativ nicht verändern, heißt verschlechtern müssen. Wir können weiterhin unsere fair produzierten, zumeist regionalen Einkaufsstandards halten.
Wenn die Senkung nicht kommen sollte werden die Preise um ca. 10 % steigen. Wir haben keine andere Chance, da wir aufgrund unserer geringen Gewinnmarge gar nichts mehr selbst auffangen können.
WIE WIR DAS SELBST SEHEN
Uns ist sehr bewusst: Essen gehen ist inzwischen in einem preislichen Bereich, wo es nicht mehr Alltag, sondern etwas Besonderes ist. Wir müssen, um uns weiterhin am Markt zu behaupten, nicht nur „zufriedene“, sondern begeisterte Gäste verabschieden. Für uns ist das eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen.
Wir begreifen das auch als Chance: es gibt immer weniger Traditionsbetriebe, immer weniger deutsche Gastronomien, immer weniger Gastgeber die Ihren Job mit Herzblut machen. Bei uns werdet Ihr weiterhin genau das finden – sofern wir es schaffen betriebswirtschaftlich sinnvoll zu arbeiten und unsere Mitarbeiter zu halten.
Wir haben leider manchmal den Eindruck, die Gastronomie wird in der Öffentlichkeit nicht als wirtschaftlich relevant wahrgenommen.
Ja, wir möchten dass Ihr eine schöne Zeit bei uns habt und haben Freude an unseren Berufen.
Aber nein, wir können das nicht als Hobby betreiben. Beruflicher Erfolg wird in so ziemlich jedem Beruf gefeiert, wenn wir erfolgreich sind hören wir an jeder Ecke wir wären gierig und würden den Gästen unverhältnismäßig das Geld aus der Tasche ziehen.
Jeder der so etwas schon einmal gesagt oder auf Social Media verbreitet oder geliked hat könnte sich mal die Frage stellen:
was würde ich denn eigentlich gern verdienen wenn ich viele Arbeitsstunden am Abend, am Wochenende, an Feiertagen in einem körperlich und geistig anspruchsvollen Job arbeiten würde?
Würde ich mich mit knapp über Mindestlohn zufrieden geben und dafür täglich aufstehen, lächeln und mein Bestes geben?
Und was wäre wenn ich Geschäftsführer, Küchenchef oder Betriebsinhaber wäre und in normalen Wochen zwischen 60 und 70 Stunden für meine Gäste da wäre – wäre ich zufrieden wenn ich ständig mit dem spitzen Bleistift rechnen und jede Neueinstellung, die mich entlasten könnte, vom Wunschgehalt abhängig machen müsste?
Wir sind gezwungen Geld zu verdienen wie jeder andere Betrieb, jeder andere Beruf auch.
Ein „auf Null“ oder gar ein Minus hätte zur Folge dass wir Pleite gehen. Und damit würden in unserem Fall 15 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und 15 Minijobs verschwinden.
Bayernweit stellt die Gastronomie übrigens jeden 10. Arbeitsplatz, ein vielfaches beispielsweise der Autoindustrie. Trotzdem werden wir unsere kleinteilige, zersplitterte Branche immer als Liebhaberei betrachtet.
Die Mehrwertsteuersenkung würde helfen die Jobs von etwas 1.115.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigten und etwa 1.130.000 geringfügig Beschäftigten (Quelle: Gastronomie Report, Stand 2024) zu sichern.
Im Vergleich dazu: die Automobilindustrie beschäftigt 775.000 Arbeitnehmer.
Und noch dazu handelt es sich ausschließlich um Jobs die definitiv im Land sind und bleiben, die Quereinsteigern und Zuwanderern eine Chance geben und nebenbei bemerkt auch noch zu den ausbildungsstärksten Berufen in Deutschland zählen.
Wir sind sehr froh dass die Politik Partei für uns ergreift und uns hilft – damit wir weiterhin in der schönsten Branche der Welt unser Geld verdienen können.
Danke fürs Lesen,
Doris Reck-Hartmann